Bahamas & Bimini

11. April 2025 • 8 Min. Lesezeit


"Die Bahamas, ein Name, der auftaucht, wenn man durch Reisebroschüren blättert oder in Gesprächen mitschwingt. Doch nun wirklich hier zu sein, barfuß im weißen Sand zu sitzen, 
das Rauschen der Wellen im Ohr, das kristallklare Wassers vor Augen, den Blick am Horizont verloren - das ist ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt."... 


Ich blicke zurück auf eine Reise, geprägt von vollkommenen Momenten. Momenten der Freiheit. Momenten in der Gegenwart. Momenten jenseits von Sorgen und Alltagsstress. Auf ein Abenteuer, das bewegt, berührt und lehrt. Ich begegne Menschen, die der Inbegriff von Leben sind – Lehrmeister des Daseins, erfüllt von purer Lebenslust. Menschen, die sich stets um ein Miteinander bemühen und einen selbst dann mit einem Lächeln am Morgen begrüßen, obwohl sie nur wenige Stunden geschlafen haben, weil sie während eines Sturms auf dem Schiff alles in Sicherheit bringen mussten.

Zwischen Bergen von Muscheln🐚 

Unser Bahamas Abenteuer startet mit einer Tauchsafari auf der Bahamas Aggressor |. Abgelegt wird am Hafen von West End auf der Insel Grand Bahama. Im Laufschritt erkunde ich die Gegend, ehe wir die kommenden sieben Nächte am karibischen Meer verbringen werden. Ich laufe auf der dort einzigen Straße am Strand entlang - es herrscht Linksverkehr. Einheimische grüßen uns lächelnd, begegnen uns freundlich, manche hupen sogar winkend aus ihren Autos. Möwen gleiten im sanften Wind, während sich die Sonne langsam dem Horizont nähert. Der Geruch von gegrilltem Fisch liegt in der Luft. Farbenfrohe Bungalows, gestrichen in allen erdenklichen Farben strahlen eine friedliche Atmosphäre aus. Auf den Hütten der Café-Bars liest man die Aufschrift "Conch Salad". Conch ist eine Meeresschnecke, aus der das bahamische Nationalgericht zubereitet wird. Zurück bleiben leere Muschelschalen, die sich dutzendfach auf kleinen Bergen am Strand häufen. Zwischen den Mangroven schaukeln kleine Fischerboote in den Wellen. Das Meer. Das goldene Licht der Sonne. Die Ruhe. Ein Moment, der atmet – still und weit.

Begegnung mit einer Gigantin

Die erste Nacht an Bord verläuft angenehm ruhig. Das Schiff, Baujahr 1974, ist zwar etwas älter, aber ausgesprochen gemütlich. Am Morgen locken der Duft gebratener Spiegeleier und das Läuten der Glocke alle aus ihren Kojen. Es gibt frische Früchte und Eier in allen Variationen – ein Traum!

Bei Sonnenaufgang steuern wir unseren ersten Tauchplatz am berühmten Tiger Beach – Metropolis an. Die Crew wirft den Köder ins Wasser: Thunfischreste und Fischblut. Es dauert nicht lange, bis sich unter dem Boot die ersten grauen Riffhaie, Ammenhaie und Zitronenhaie versammeln. Wir lassen uns auf 12 Meter Tiefe nieder und knien im feinen Sand. Alles ist still. Und dann – aus dem Nichts – taucht sie auf: ein etwa sechs Meter langes, trächtiges Tigerhai-Weibchen. Ruhig zieht sie ihre Kreise, nähert sich langsam, neugierig & völlig unbeeindruckt von uns. Ihre Präsenz ist kraftvoll und gleichzeitig sanft. Unscheinbar verschwindet sie wieder in der Ferne – nur um Minuten später wieder zurückzukehren. Wir entfernen uns vom Köder unter dem Boot und erkunden die naheliegenden kleinen Riffe. Sonnenstrahlen durchdringen das türkis-blaue Wasser und tanzen über den weißen Sandboden. Sichtweiten, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Und plötzlich, schwimmt sie wieder an uns vorbei, zieht ihre Kreise. Diesem wunderschönen Lebewesen so nah, so natürlich und entspannt begegnen zu dürfen, ein Moment, der bleibt.

Ein Zuhause mitten im Ozean

Zum Lunch tischt Chefköchin Maria groß auf:  Zur Vorspeise serviert sie eine griechische Zitronen-Hühnersuppe; danach folgen Spezialitäten wie gegrilltes Huhn mit Tzatziki, Salat mit Schafskäse, gefüllte Zucchinilaibchen, Quinoasalat, Nudelhörnchen mit Zimt, Tomaten und einem Hauch Rotwein. Maria ist ausgebildete Ernährungsberaterin – und obendrein ausgesprochen sympathisch. Auf ihren Reisen sammelt sie kulinarische Inspiration aus aller Welt und bringt Gerichte von Venezuela bis zur Dominikanischen Republik auf den Tisch. Natürlich immer mit einer ordentlichen Prise Liebe. Die Crew stammt fast vollständig aus Mexiko – mit Ausnahme von Henry, dem Ingenieur aus Südafrika, und Dive Guide Julian aus Argentinien. Es fühlt sich an wie ein kleines Zuhause mitten im Ozean.

Weit und breit nur das Meer, die Wellen – und wir. 

An Bord der Bahamas Aggressor beginnt der Tag ganz entspannt. Statt des klassischen "Early Morning Dive" wird hier erst um 8 Uhr getaucht – davor um 7 Uhr gibt’s Frühstück. Ein Tagesablauf, dem ich absolut nicht abgeneigt bin. Möglich macht das die Route, denn die Tauchplätze liegen alle nah beieinander. Wir tauchen am Spot Metropolis – und haben erneut Glück mit Tigerhaien. Und was für eines! Während ich völlig gebannt das große Tigerhai-Weibchen vor mir beobachte, greift plötzlich Julian, unser Tauchguide ein. Er fuchtelt wild mit den Händen und deutet: "Watch your bag!" Ich drehe mich um – und tatsächlich: Zwei weitere Tigerhaie direkt hinter mir, die ich absolut nicht im Blick hatte! Adrenalin-pur, als ich wieder an der Oberfläche bin. Julian grinst nur und sagt trocken: "That's what you paid for!" "One in the front and two in the back!" Ich muss laut lachen. Eine der wichtigsten Regeln beim Haitauchen: Halte immer Blickkontakt – UND dreh dich regelmäßig um. Denn Tigerhaie bleiben, wie sie sind: neugierig, unberechenbar und manchmal ziemlich hinterlistig. 

Während einer kurzen Oberflächenpause lehne ich mich am Oberdeck über die Reling und blicke ins glasklare Wasser – und da ist er: ein riesiger Tigerhai, noch größer als alle zuvor.
 Aufgeregt zeige ich auf die Silhouette. Captain Javier, der neben mir steht, wirft nur einen kurzen Blick nach unten: „Ohh wow! Big Mama is here – okay, let’s go diving.“
Kurz darauf sind wir wieder unten – umgeben von 16 grauen Riffhaien und drei Tigerhaien.

Nicht alle schlafen nachts...

Während sich manche Lebewesen in ihre Höhlen zurückziehen, beginnt für andere das große Festmahl – am liebsten am Sugar Wreck: ein kleines, verfallenes Wrack auf nur sechs Metern Tiefe. Tagsüber tummeln sich hier Bannerfische, Stachelrochen und Muränen. Doch nachts verwandelt sich der Ort in ein wahres Spektakel: Wir begegnen einer riesigen Karettschildkröte. Langusten und Bärenkrebse krabbeln über den Sandboden, während Ammenhaie lautlos durch die Dunkelheit gleiten – jetzt beginnt ihre Jagd. Bevor es für mich ins Bett geht, genieße ich eine heiße Schokolade mit Baileys – der Klassiker nach jedem Nachttauchgang. Über uns erhebt sich der Mond über dem Meer – eine Atmosphäre, die zu tiefgründigen Gesprächen einlädt. Die Essenz? Lebe nicht für die Erwartungen anderer. Tue das, was du liebst – und lebe DEIN eigenes Leben. 

Zwischen Licht und Schatten

Mit müden Augen greife ich zum Telefon: 06:30 – Zeit aufzustehen! Meine Zimmerkollegin Marina grinst, während sie frisch geduscht die Kabinentüre öffnet. Ein fröhliches „Guten Morgen“ huscht über ihre Lippen. Nach einem kurzen Geplauder kommen wir auf die Berufswahl zu sprechen. Marina arbeitet in der humanitären Hilfe – insbesondere für Frauen, die sexuelle Gewalt überlebt haben. Sie erzählt von Auslandseinsätzen im Iran und im Sudan. Ich frage sie: Wie kann man so viel Leid gesehen haben und dabei so freundlich, so positiv strahlen? Ihre Antwort berührt mich tief: „All das Gute wird so viel stärker, wenn man das Böse erlebt. Es ist wie ein Licht, das immer heller wird.“  Ich bleibe noch einen Moment still sitzen. Die Worte hallen nach, die Gedanken schweigen. Wie viel Licht und Schatten Marina wohl schon begegnet ist?
 
Später, an der Ankerleine: Wir hangeln wir uns bei mäßiger Strömung zum Riff El Capitan – auf 27 Meter hinab. Der Tauchgang verzaubert mit unzähligen Weichkorallen, die das Riff wie einen dichten Wald bedecken. Auch Barrakudas sind hier anzutreffen. Doch wozu Barrakudas, wenn vier Tigerhaie am Tiger Beach warten? Erneut setzen wir Kurs auf den berühmten Tauchplatz – und haben Glück. Mittlerweile fühle ich mich im Umgang mit den Tieren deutlich sicherer. Ich lasse mehr Nähe zu. Der Adrenalinspiegel sinkt, das Dopamin übernimmt. Langweilig? Keine Sekunde.

Die Definition von Glück

Captain Javier steht barfuß am Grill und wendet die marinierten Gemüsespieße. Ich komme mit Aare, einem der Tauchgäste ins Gespräch – oder wie ich ihn insgeheim nenne: „Mr. Out of Office – since 43“. Bis jetzt habe ich ihn als zurückhaltend und angenehm unaufgeregt wahrgenommen. Erst jetzt erfahre ich, wer er einmal war: Vorstandsmitglied und Vertriebsdirektor bei dem größten Mobilfunkanbieter Estlands. Drei große Firmen, ein Kind, eine Ex-Frau – ein Lebenslauf zum Abhaken. Ein Leben zwischen Terminen, Erfolgen und ständiger Erreichbarkeit. „I had everything. Except time,“ sagt er leise und schaut aufs offene Meer. Mit 43 Jahren musste er raus aus Estland. Raus aus dem alten Leben. Die Welt sehen. Das Leben spüren. Dann lacht er – frei, laut, fast erleichtert. „I had to break free.“ Heute reist er. Taucht. Feiert das Leben. Und ja – manchmal, gibt er zu – vielleicht ein bisschen zu wild. Aber in seinen Augen liegt etwas, das mich nicht mehr loslässt: eine Leichtigkeit, die Tiefe kennt. „There’s always a story behind,“ sagt er noch. Und ich spüre, er spricht nicht nur von sich. Seine Definition von Glück? „Opportunity meets preparation.“Wenn sich eine Tür öffnet, musst du auch bereit sein, hindurchzugehen.
 
Später sitzen wir alle entspannt auf dem Oberdeck, genießen das zart gegrillte Steak bei ein, zwei Gläsern Weißwein. Der Ozean liegt fast schwarz und ruhig vor uns. Aus den Lautsprechern klingt „Eye of the Tiger“. Einer holt UNO-Karten. Wir spielen, wir lachen und ich denke mir: Vielleicht ist es genau das, worum es geht.

Der Morgen nach dem Sturm 

Mitten in der Nacht beginnt das Boot heftig zu schaukeln. Mein Handydisplay zeigt 04:00 Uhr an. In der Küche krachen die ersten Becher zu Boden, Schubladen schlagen auf und zu. Der Wind pfeift, die Wellen türmen sich höher und höher. Ich höre Stimmen – die Crew ist längst wach, sichert Ausrüstung, verstaut alles Notwendige. Das Boot kämpft sich durch den Sturm, schaukelt noch eine Weile.
 
06:30 Uhr. Maria hat längst alles fürs Frühstück vorbereitet. Ich staune. Noch am späten Abend hatte sie Fisch und Fleisch aus der Kühltruhe geholt. Dann die turbulente Nacht. Und jetzt? Steht sie da, mit einem Lächeln, als wäre nichts gewesen. Der Einsatz der Crew ist beeindruckend. Sie arbeiten rund um die Uhr – mit Hingabe und Herzblut. Ich schleiche mich aufs Oberdeck, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Henry kommt mir entgegen, strahlt: „Good Morning.“ Er ist Co-Kapitän und Ingenieur, gebürtiger Südafrikaner – und steht jeden Tag um 03:00 Uhr auf, um nach dem Rechten zu sehen und im Maschinenraum zu arbeiten. Ich frage ihn, was dieses Schiff für ihn bedeutet... „Das Schiff ist eine alte Lady“, sagt er. „Teile müssen ständig ausgetauscht werden. Aber es ist mein erstes Boot – hier hat alles angefangen. Ich will sie nicht aufgeben. Ich hoffe, sie fährt noch lange weiter. Dafür arbeite ich gerne länger.“ Diese Leidenschaft und Lebensfreude ist ansteckend – das Allgemeinwohl steht hier über allem.

Wir tauchen am Mount Olympus – einem spektakulären, korallenübersäten Felsen im offenen Blau. Der Gipfel beginnt auf etwa 18 Metern Tiefe und fällt steil auf über 457 Meter ab. Die markante Abbruchkante liegt bei rund 38 Metern. Der Tauchplatz fasziniert mit kleinen Canyons und Höhlen, grauen Riffhaien und schwarzen Weichkorallen. Am Abend schenkt uns der Sonnenuntergang ein letztes Farbenspiel. Wir liegen auf dem Oberdeck unter dem Sternenhimmel. Polarstern. Kleiner Bär. Großer Wagen. Still. Ehrfürchtig. Lebendig.

Happy Easter, Mrs.Tiger Shark

Osterbrunch am Tiger Beach - während Zitronenhaie gemächlich über den Sandboden gleiten und die Tigerhaie in Kreisen um uns ziehen, packt Horst tatsächlich gekochte Ostereier aus! Er winkt unsere Gruppe heran, drückt jedem von uns ein Ei in die Hand - und wir „pecken" gegeneinander. Ja, genau: Ostereierpecken. Unter Wasser. Ich lache so sehr, dass mir fast der Atemregler aus dem Mund fällt. Allein der Gedanke, wie Horst die Eier aus Österreich in die Bahamas geschmuggelt hat, um sie dann beim Tauchgang zu zelebrieren – einfach herrlich absurd! Definitiv der Tauchgang mit dem höchsten Luftverbrauch!

Die nächsten beiden Tauchgänge führen uns zum Spot El Dorado, einem steil abfallenden Riff in etwa 30 bis 45 Metern Tiefe. Bei Tageslicht ziehen riesige Barracudas und Fischschwärme an uns vorbei. Nachts erwacht das Riff auf ganz eigene Weise: Hummer, Krabben und schimmernde Shrimps kommen aus ihren Verstecken. In einer kleinen Höhle entdecken wir eine schlafende Echte Karettschildkröte – ich bin fasziniert von ihrer Schönheit - ihr bunter, gesprenkelten Panzer, so friedlich und magisch! Ein Nachttauchgang, der verzaubert!

Das Beste nach dem Night Dive? Heiße Schokolade mit Baileys! Ich komme mit Hector ins Gespräch – einem erfahrenen Tauchguide mit einem Lächeln, das sowohl über als auch unter Wasser ansteckt. Mit leuchtenden Augen erzählt er mir vom Höhlentauchen in Cancún. Man spürt sofort: Hier spricht jemand mit echter Passion. Ein präsenter Lebemensch – mit dem Herz am rechten Fleck. In der Hauptkabine hat sich ein Teil der Crew versammelt. Die Gespräche drehen sich um die besten Tauchspots der Welt, den legendären „Chicken Divers“, Lieblingskabinen, verrückte Gäste – es wird viel gelacht! Captain Javier meint, wir könnten uns wirklich glücklich schätzen: Die Gruppe vor uns musste wegen schlechten Wetters gleich sechs Tauchgänge streichen.
Für ihn ist es bereits die dritte Saison an Bord – aber so viele Tigerhaie auf einmal und so regelmäßig wie in dieser Saison, das habe er noch nie erlebt.
„Lucky you!“, sagt er – und grinst.

Good Bye Tiger Beach!

Der vorerst letzte Tauchgang mit der Bahamas Aggressor steht bevor – ein Early Morning Dive am Spot Shark Paradise. Ich springe ins Wasser, tauche ab – und ehe ich über dem Sandboden schwebe, gleitet ein großes Tigerhai-Weibchen über mich. Ein Moment, ein Anblick, an den ich mich wohl nie gewöhnen werde! Nach einer Woche mitten im karibischen Meer taucht plötzlich das Festland wieder am Horizont auf. Wir steuern in den Hafen von West End ein. Die ersten Schritte an Land fühlen sich seltsam fremd an. Wir erkunden den Strand von Old Bahama Bay, lassen uns nieder und stoßen mit einem Bahama Mama auf eine gelungene Tauchreise an.

Zurück an Bord wartet die traditionelle Rum & Snacks Party mit der Crew.  Aus den Boxen tönt Latino Musik. Die Stimmung ist ausgelassen, losgelöst, frei. Eine gute Energie liegt in der Luft. Captain Javier bittet um unsere Aufmerksamkeit und erhebt klirrend sein Champagnerglas. In der einen Hand hält er ein paar zerzauste Papiere, in der anderen Medaillen. „Es ist Zeit, diejenigen zu ehren, die in dieser Woche alle Tauchgänge gemacht haben – keinen einzigen ausgelassen! Unsere Iron Divers! Insgesamt sind das 25 Tauchgänge in fünf Tagen!" Ich muss zugeben: Ich hab’s nicht ganz geschafft – zwei oder drei hab ich dann doch ausgelassen. Nach der Ehrung der unermüdlichen Iron Divers folgt die Nächste: „Und jetzt“, sagt Javier mit einem schelmischen Funkeln in den Augen, „ehren wir die Chicken Divers! – die, die bei der Vorbereitung fürs Tauchen gerne mal etwas vergessen haben ...“  Tja. Ratet mal, wer nun stolz seine Chicken-Urkunde in den Händen hält. Wir tanzen, lachen und feiern bis in die frühen Morgenstunden. Was für ein Abenteuer. Was für liebe Menschen. Dankbar erhebe ich mein Glas – und freue mich auf alles, was noch kommt...

Bimini-Vibes: Auf zum Großen Hammerhai!

Mit einer kleinen Propellermaschine der Flamingo Air heben wir von Freeport in Richtung Bimini ab – und ich muss gestehen: In so einem winzigen Flieger saß ich noch nie! Ganze 20 Minuten früher als geplant startet der Flug. Mit Crew an Bord zähle ich 17 Menschen – mehr passen hier auch wirklich nicht rein. In Bimini geht’s weiter mit dem Wassertaxi zur Hauptinsel. Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Die vordere Sitzreihe ist bei Wellengang nicht zu empfehlen – es sei denn, man trägt Badekleidung und hat ein Handtuch griffbereit. Wir checken im Hotel Big Game Club ein und erkunden sofort die Insel: Was sofort ins Auge sticht sind die farbigen Häuser und Hütten in Türkis, Gelb, Hellgrün und Rosa. Im Norden liegt ein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Überall cruisen Golfcarts durch die Gegend – mal von Einheimischen, mal von Touristen gesteuert, immer begleitet von lauter Musik. Die Menschen hier wirken sehr entspannt. Viele Läden sind geschlossen – alles läuft im eigenen, langsamen Rhythmus. Und der Strand? Wie aus einer Werbebroschüre: Feinster weißer Sand, Palmen im Wind und kristallklares Wasser. Ein paar Motorboote aus Florida legen im flachen Wasser an, denn Bimini liegt nur ein bis zwei Stunden von Miami entfernt. Amis grillen am Strand, chillen im Schatten der Palmen. Trinken Bier aus ihren mitgebrachten Kühlboxen feiern ganz offensichtlich das Osterwochenende. Plötzlich ist man mittendrin im karibischen Inselflair. Den Abend lassen wir auf „Balkonien“ im Hotel ausklingen – mit einer Flasche Wein und bei einer leichten Prise Wind.

Der Große Hammerhai-Zirkus

Die Spannung steigt: Mit dem Boot der Tauchschule neben dem Hotel geht’s etwa 15 Minuten raus, Richtung Süd-Bimini, zum Hammerhead Beach. Die Crew: zwei Tauchguides – zur Abwechslung mal weiblich, ein Shark-Feeder (ja, der die Haie füttert) und der Captain. Nach einem kurzen Briefing geht’s auch schon los. Die Tauchzeit von 90 Minuten beginnt, sobald der erste Hammerhai vom Shark-Feeder angelockt und am Boot gesichtet wird. Wir springen ins  9 Meter tiefe Wasser und knien im Halbkreis an der Stelle, wo die Crew die Plastikstäbe platziert hat. Vor uns der Shark-Feeder, neben ihm, die Köderbox mit blutigen Fischresten. Dann taucht sie auf: Miss Queen – wie ich später erfahre. Ein trächtiges Hammerhai-Weibchen, rund fünf Meter lang. Elegant, erhaben, imposant. Eine echte Königin und bekannt in diesen Gewässern. Neben ihr gleiten vier weitere Hammerhaie um uns herum – ein unglaublicher Anblick. Der Shark-Feeder füttert sie per Hand – es wirkt fast choreografiert. Die Szenerie erinnert an eine Zirkusnummer mit Dompteur, der sich mit den Haien „spielt“. Plötzlich wird es hektisch, ein kleiner Tigerhai: Miss Talia will auch was abhaben. Die beiden Tauchguides hüpfen wie wild durchs Wasser, fuchteln herum, deuten uns, wir sollen mit den Stäben auf den Tigerhai zeigen. Die Stimmung wirkt dadurch eher hektisch und unentspannt. Ein starker Kontrast zur Bahamas Aggressor – wo respektvoll und gelassen mit den Tieren interagiert wird, und man auf Körpersprache und Präsenz statt auf Aktionismus setzt. Nach 90 Minuten ist die Show vorbei. Ein intensives Erlebnis – beeindruckend, aber auch etwas befremdlich.

Bimini zeigt sich auch am Abend wild und eindrucksvoll. Es steigt eine echte Homecoming-Party: Bahamianer aus allen Inseln treffen sich einmal im Jahr zu Ostern am Strand, um gemeinsam zu feiern. Als einzige Touristen mischen wir uns unter die Einheimischen, schwingen mit zu den lauten Beats Musik und trinken frischen Sky Juice – eine Mischung aus Kokoswasser und Rum. Die Stimmung ist ausgelassen. Ich komme mit Robin, dem Captain der Crew vom Tauchgang ins Gespräch. Geboren in Freeport, spricht er mit leuchtenden Augen von den Bergen in Europa. Auf meine Frage wie es ihm hier gefällt, antwortet er mit: „I'm used to the island, for sure, but I still appreciate it. You know, the gras is always greener somewhere else."

Feel the Bahamas flavor...

Den Morgen starte ich mit einer Laufrunde um die Insel. Es sind kaum Menschen unterwegs – nur ein paar Schulkinder, die mir fröhlich zuwinken und ein herzliches„Good Morning!“ entgegenlächeln. Zurück vom Lauf gibt's das typische Balkonien-Frühstück mit allem, was der Supermarkt hergibt: Käse, Banane mit Erdnussbutter, Kekse, Toastbrot und Filterkaffee – einfach, aber perfekt. Bimini ist teuer und wirkt ein bisschen wie der Hinterhof von Florida. Im Hafen dümpeln Yachten, während täglich rund 2800 Touristen vom Kreuzfahrtschiff ins Inselinnere strömen. Die Preise sind deutlich höher als in Miami, doch die Qualität in den wenigen Restaurants und Cafés lässt oft zu wünschen übrig. Wir leihen uns ein Golfcart und cruisen über die Insel – vorbei am Anlegeplatz, an dem mittlerweile das dritte Schiff in nur drei Tagen festgemacht hat. Für ein paar Stunden fluten die Besucher die kleine Insel – und hinterlassen leider auch einiges an Müll. Wir halten an einer kleinen Bar am Strand – Smoothie für uns, Shots für andere. Es ist Dienstag, 11 Uhr – In Bimini feiert man jeden Tag! Ich genieße die letzten Stunden barfuß am weißen Sandstrand. Ein (vorerst) letztes Mal das Rauschen. Ein letzten Mal die Möwen. Ein letztes Mal der warme Wind und das schimmernde, türkisfarbene Wasser. Muscheln klimpern leise durch das sanfte brechen der Wellen. Ein wahres Paradies! Wie langsam ein Tag nur vergehen kann, gefüllt mit so vielen Eindrücken... 

Auf Balkonien öffnen wir den 47 Dollar teuren Wein aus dem Supermarkt. 
Wir stoßen an. 
Auf das Meer.
 Auf die Wärme.
 Auf all die Momente dazwischen.

#Mr.Peps #Chickendiver #Bimini #QuePwes #BahamaMama

DIE ANREISE

Mein Bahamas Abenteuer startet mit einer Tauchsafari auf der Bahamas Aggressor |. Abgelegt wird am Hafen von West End auf der Insel Grand Bahama Bay. Um dort hinzugelangen braucht es mehrere Flüge: Wir starten von München nach Charlotte - USA, dann weiter nach Ford Lauderdale - USA; Nach einem Stopover mit Übernachtung ein Flug von Ford Lauderdale - USA nach Freeport - Bahamas; Taxifahrt nach West End zum Hafen (ca. 40Min).

BIMINI

Vom Hafen in West End mit dem Taxi zurück zum Flughafen in Freeport, Ein Inlandsflug von Freeport - Bahamas auf die Insel Bimini; Mit einem Taxi zum Wassertaxi (ca. 5min), die Überfahrt mit dem kleinen Boot dauert ca. 5 Minuten. Für die Rückreise zum Flughafen in Bimini - Bahamas gilt der selbe Weg zurück. Von Bimini - Bahamas per Flug nach Ford Lauderdale - USA und zurück nach München.