Ägypten, St. John's

Juli 2021 • 3 Min. Lesezeit


30.07.2021

Nach unserer langen Autofahrt von Hurghada erreichen wir am frühen Morgen um 04:00 Uhr den Hafen von Port Ghalib – und damit auch unser Schiff, die Blue Seas. Das Upgrade auf das Oberdeck freut meine Mutter und mich sehr, als wir für ein paar Stunden Schlaf in unsere Kabinen geführt werden. Mit noch müden Augen bestaune ich das große, schöne Schiff, auf dem wir die nächsten sechs Nächte verbringen werden, und genieße meinen ersten Kaffee im Sonnenschein. Für den ersten Tauchgang fahren wir rund 15 Minuten hinaus aufs offene Meer – zu einem halbkreisförmigen Riff namens Shaab, dessen Form an eine Bohne erinnert. Hier erkunden wir ein kleines Schiffswrack sowie eine kleine Höhle. Danach tauchen wir etwa 35 Meter tief am Ostplateau des Riffs Shaab Sharm. Neben Napoleons und Papageifischen begegnen wir auch Steinfischen, Drachenköpfen – und sogar einem kleinen Weißspitzen-Riffhai. Beim Abendessen auf dem Oberdeck erzählt uns Nina, die Tauchlehrerin aus Linz, von ihren Abenteuern auf den Galapagosinseln und ihrem Leben in Ägypten. Wir bestaunen den funkelnden Sternenhimmel und die Milchstraße – den äußersten Rand unserer Galaxie. Nach der sechsten Sternschnuppe schnappe ich mir mein Leintuch und schlafe bei kühlendem Wind und salziger Meeresbrise auf dem Oberdeck ein. Während wir schlafen, fährt das Schiff durch die Nacht – und ankert am Morgen in St. Johns.

31.07.2021

Der Early Morning Dive startet am Riffdach von Habili Ali. In 42 Metern Tiefe werden wir mit der Begegnung von zwei großen Hammerhaien belohnt – ein beeindruckender Auftakt. Der zweite Tauchgang führt uns nach St. John's Big Gota. Nach dem Mittagessen kehrt Ruhe auf dem Schiff ein, wir ankern. Wie es der Zufall will, kann ich nicht schlafen und gehe eine Etage tiefer – dort deutet ein Crewmitglied aufgeregt ins Wasser: Delfine! Kurz darauf schnorcheln wir mit den verspielten Tieren direkt neben dem Boot – ein exklusives Erlebnis, das ich mit meiner Mutter und meinem besten Freund teilen darf. Kaum zurück an Bord, läutet auch schon die Glocke zum nächsten Tauchgang.
Ein wunderschöner Dive am Fuße des Dangerous Reef steht an – erneut kreuzen Delfine unsere Route. Nach dem Barbecue-Dinner lasse ich den Tag unter dem freien Sternenhimmel ausklingen – und schlafe, wie schon in der Nacht zuvor, auf dem Oberdeck ein – begleitet vom sanften Rauschen des Meeres.

01.08.2021

Am nächsten Morgen werde ich von einem Delfin geweckt, der im Licht des Sonnenaufgangs neben dem Boot auftaucht. Nach einem entspannten Vormittag mit zwei Tauchgängen an den Riffen Habibi Gafi und Small Gala in St. John’s genießen wir die ruhige Stimmung an Bord, bevor wir am Nachmittag zum Cave Reef weiterfahren. Dort entscheiden wir uns bewusst für die engere Höhlenvariante – ein echter Volltreffer. Der Tauchgang ist spannend, herausfordernd und anspruchsvoll, aber genau das macht ihn unvergesslich. Als wir auftauchen, färbt sich der Himmel bereits in warmes Orange – die Sonne geht unter und taucht das Riff in goldenes Licht. Für den Nachttauchgang steht das Sataya North Reef auf dem Plan, ein Ort, der besonders für das Schnorcheln mit Delfinen bekannt ist – die Vorfreude ist spürbar.

02.08.2021
 Da es für uns das zweite Mal in Sataya ist, kennen wir die Bucht und die Delfin-Touren bereits. Trotzdem sind wir sofort dabei, als nach dem Early-Morning-Dive am Nordriff Shaab Maksur eine Schnorchel-Tour mit ihnen möglich wird. Nicht mehr ganz so exklusiv wie das Schnorcheln zwei Tage zuvor, ist es den kurzen Zodiac-Trip trotzdem absolut wert. Die Tiere hier sind Menschen gewohnt und kommen teilweise zum Spielen ziemlich nah. Danach steht einer meiner liebsten Tauchspots auf dem Programm – und er beweist sich wieder einmal: Shaab Claudio, ein wahres Paradies! Der Nachmittags-Tauchgang in Abu Galawa verläuft eher chaotisch, da wir den Eingang zum Channel verpassen. Das Gesicht des Guides vergesse ich so schnell nicht mehr, als wir von hinten in den Channel eintauchen und das Riff umrunden. Die Ziege zum Abendessen ist mir dann eher nicht so geheuer – dafür schmeckt das Gemüse umso besser.

03.08.2021
Wir fahren die ganze Nacht durch, um am Morgen am wohl bekanntesten Tauchspot Ägyptens zu tauchen: dem Elphinstone Riff. Schon um 06:00 Uhr morgens begegnet uns auf etwa 35 Metern Tiefe ein Hammerhai am Nord-Plateau – ein beeindruckender Start in den Tag. Beim zweiten Tauchgang südlich des Riffs bleibt der Longimanus (Weißspitzen-Hochseehai) leider aus. Ich erinnere mich dort an meine allererste Begegnung mit diesem Hochseehai vor vier Jahren – ein Moment, der sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad am Oberdeck folgt ein weiterer Tauchgang in Abu Dabbab. Später ankern wir in der Bucht von Marsa Shona, umgeben von ein paar anderen Schiffen. Der Nachttauchgang verläuft aufgrund der trüben Sichtverhältnisse und der vielen Taucher eher unspektakulär. Doch der süße ägyptische Sekt beim Anstoßen und das fantastische Sushi mit gegrilltem Gemüse machen das locker wett. Anschließend zeigt Nina ihren selbst erstellten Kurzfilm über die Highlights der letzten Tage – mit viel Applaus und Lachen. Der Abend klingt gemütlich aus bei Gesprächen über vergangene Tauchreisen, verschiedene Länder und das Leben als Tauchguide.

04.08.2021
Beim Early-Morning-Dive in Marsa Shona beobachten wir riesige grüne Meeresschildkröten aus nächster Nähe – ein friedlicher und beeindruckender Start in den Tag. Nach dem Nachmittagstauchgang nehmen wir Kurs zurück auf Port Ghalib. Das Schiff muss betankt und mit Lebensmitteln für die nächsten Gäste beladen werden. Wir schlendern kurz durch die Hafenstadt, entscheiden uns aber, den Spaziergang lieber auf den Abend zu verschieben – die drückende Luft und die Hitze sind kaum auszuhalten. Im klimatisierten Hauptdeck vertreiben wir uns die Zeit, bis wir nach dem Abendessen endlich wieder nach draußen können. Unseren letzten Abend verbringen wir in einer Bar am Hafen von Port Ghalib – entspannt, mit Shisha und Cocktail in der Hand. Wir lassen die vergangenen Tage Revue passieren – voller besonderer Begegnungen, tiefer Tauchgänge und unvergesslicher Momente.

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht...
Gerade noch taucht man zwischen Riffen, Schildkröten und Haien – und schon sitzt man wieder im Flieger auf dem Weg nach Hause. Mit jedem Kilometer wächst die Vorfreude auf das Vertraute, auf Familie, Freunde – und natürlich auf die wunderschöne Gegend rund um den Mondsee.

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